Ivar Leon Menger.
Damit könnte dieser Beitrag im Grunde schon zu Ende sein, denn in der Szene reicht der Name Ivar Leon Menger aus, um eine leichte (eine leichte??) Gänsehaut zu erzeugen.
Menschen sind komisch, und so habe ich seit einiger Zeit keine Thriller oder Krimis mehr gelesen. Die Abgründe der Menschheit fingen an, an meiner Seele zu nagen, doch als ich Der Tower in einer Ostseebuchhandlung entdeckte, schlug meiner Thriller-Herzchen wieder höher.
Ivar Leon Menger.
Gesehen, gekauft, gelesen.
Die Fakten:
Titel: Der Tower
Autor: Ivar Leon Menger
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-22134-4, 400 Seiten
Fun fact: Am Alexanderplatz in Berlin werden derzeit tatsächlich mehrere Hochhäuser gebaut, was der Geschichte eine gehörige Portion Authentizität verleiht. Der Tower, so erfahren wir vom Umschlagtext, handelt von Nova, einer jungen, etwas erfolglosen Galeristin, die in Berlin plötzlich ein unausschlagbares Wohnungsangebot bekommt: In einem der neu errichteten Gebäude mit Blick auf den Fernsehturm wird Nova mietfrei für ein Jahr eine Wohnung angeboten. Ja, zugegeben, jeder Leser weiß sofort, dass das nicht nicht rechten Dinge zugehen kann, aber dennoch wünschen wir uns, dass Nova das Angebot annimmt und einzieht. Wir wollen diese Geschichte hören!
Der Tower – der Pramtower – ist ein architektonisches Meisterwerk und ein mit HighTech ausgestattetes Gebäude. Kaum hat Nova ihre neue Wohnung betreten, lernt sie Kim kennen, eine allgegenwärtige, sprachgesteuerte KI, die ihren Alltag erleichtern soll. Getönte Fensterscheiben auf Knopfdruck bzw. Sprachbefehl, die Lieblingsplaylist oder die morgendliche Analyse des Urins – alles kein Problem für die künstliche Intelligenz. Selbst der Einkauf wird via Spracheingabe angewiesen und in die Küche geliefert. Bereits die ersten 39 Seiten lassen einen staunen ob der bereits möglichen Technologie heutzutage und zugleich erschaudern, was alles noch möglich werden könnte. Wieder ertappt man sich beim Lesen, Nova zuzuflüstern, ganz schnell das Gebäude zu verlassen und gleichzeitig fiebert man bereits den nächsten Kapiteln entgegen.
Nova wohnt im Apartment 66e. Schon bald lernt sie ihre Nachbarn bei einer aufoktroyierten Party kennen: Adrian, der erste Gastgeber, die „zauberhafte Miranda aus Apartment 66d„, Alfred und Tina, sowie das schwule Pärchen Roman und Franklin, und „Konrad mit k„. Die Nachbarschaft erscheint auf den ersten Blick divers und herrlich schrullig-normal zu sein, doch kann es Zufall sein, dass Roman und Franklin bald eine Galerie im Pramtower eröffnen und Nova, als Galeristin, sofort einstellen möchten? Lauf, Nova, lauf! Die Party endet mit einer beschwipsten Nova, die von Konrad zurück in ihr Apartment gebracht wird. Morgens erwacht Nova aus einem bizarren Alptraum…
Novas Begeisterung für ihr Apartment schlägt bald in Zweifel um. Sie erfährt, dass die vorherige Bewohnerin, Lisette, unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen ist. Kurz darauf verschwindet Konrad mit k, nachdem er Nova eine haarsträubende Verschwörungstheorie über den Tower aufgetischt hatte. Als Nova erkennt, dass die künstliche Intelligenz nicht nur hilfsbereit und dienstbeflissen sein kann, versucht sie, dem Apartment und der KI zu entfliehen…
Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Die Geschichte nimmt rasant an Fahrt auf – ich habe das Buch in einem Tag verschlungen – und Ivar Leon Menger beweist hier zum wiederholten Male, dass sein Name ein Garant für Horror und Spannung ist. Die Beschreibungen des Towers und der Umgebung rund um den Berliner Alexanderplatz sind realitätsnah und treffend umrissen, und die Geschichte wird mitreißend und verstörend zugleich erzählt. Wenn ein Buch den Begriff „page turner“ verdient, dann ist es „Der Tower“. Die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz sind erschreckend und trotzdem befreiend und zukunftsweisend. In den richtigen Händen, zur richtigen Zeit.
Fazit: Der Tower ist zum Schaudern geeignet!