Einer Empfehlung des TAGESSPIEGEL folgend habe ich „22 Bahnen“ im hiesigen Buchladen bestellt. Nachstehend die Fakten:

Titel: 22 Bahnen
Autorin: Caroline Wahl
Verlage: Dumont
ISBN: 978-3-8321-6724-0, 208 Seiten

Gerade habe ich das Buch durch und dachte mir, dass ich es sofort kurz rezensieren sollte, bevor ich es vielleicht nie tun werde. „22 Bahnen“ ist eins von diesen Büchern, das man gegebenenfalls – und je nach Stimmung – als wertvoll bezeichnen kann. Man sollte sich für die 208 Seiten einen ruhigen Ort suchen und bewusst lesen.

Wir lernen Tilda Schmitt kennen, eine junge Mathematikstudentin, die zusammen mit ihrer kleinen Schwester Ida und ihrer alkoholkranken Mutter in einer Kleinstadt lebt. Allein in dieser kurzen Inhaltsbeschreibung ist soviel Klischee enthalten, dass etwas schwerfällt, das Interesse für dieses Buch zu wecken. Versuche ich es weiter… Es ist Sommer (natürlich!), sehr warm und nicht viel los in der Kleinstadt, dessen Namen man nicht erfährt (vielleicht auch besser so). Tilda jobbt in einem Supermarkt, damit die Familie über die Runden kommt (Klischee, ich weiß!). Als Kassiererin versucht sie, anhand der Einkäufe auf dem Laufband, die Kunden zu erraten. Man merkt schnell, das Leben ist schwierig, die Möglichkeiten beschränkt. Tildas Freunde sind inzwischen alle ausgeschwärmt in die große, weite Welt, nur sie kümmert sich um ihre Schwester und Mutter. Ihr Matheprofessor schlägt ihr eine Bewerbung in Berlin vor, und Tildas Gedankenkarussell nimmt an Fahrt auf.

Die Geschichte wird in der Ich-Form aus Tildas Sicht erzählt. Flüssiger Schreibstil, der zum Weiterlesen und Umblättern einlädt. Man versinkt als Leser in der Tristesse dieser Kleinstadt, man ertrinkt in der Hoffnungslosigkeit der Situation, und vermutlich ist es genau das, was das Buch so interessant und lesenswert macht. Man möchte einfach, dass Tilda es schafft, auszubrechen und ihre Chancen zu nutzen. Im Laufe der Geschichte – im Laufe des heißen Sommers – lernen wir aus kurzen Rückblenden etwas aus Tildas bisherigem Leben. Aufgewachsen ohne richtigen Vater, dann plötzlich eine kleine Schwester, die es zu versorgen gilt… dann ihre Affinität zur Mathematik, die sie etwas nerdig erscheinen lässt. Im Schwimmbad schwimmt sie immer 22 Bahnen – oder auch schon mal mehr, wenn sie vergisst, mitzuzählen. Und dann ist da noch Viktor mit den eisblauen Augen, der ebenfalls seine 22 Bahnen schwimmt, und Tilda subtil den Kopf verdreht, ohne dass sie es eingestehen will.

Ist es dies eine Leseempfehlung? Kommt definitiv auf die Stimmung an. Es ist eine kurze Geschichte, heavy und heiter.